“Ich und hochbegabt?

… Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.”

Das höre ich oft, wenn mich Erwachsene, Frauen wie Männer, wegen ihrer Feinfühligkeit, oft auch wegen Beziehungsthemen kontakten. Von Menschen, die so differenziert, so klug und gewandt in ihren Betrachtungen, so schnell im Begreifen, so diszipliniert im Anpassen an die Verständnismöglichkeiten des Gegenübers sind, dass ich die Diagnose Hochbegabung schon fast ohne weitere Anamnese und Tests stellen könnte.

Wenn ich das Thema vorsichtig antippe, schauen sie rasch zur Seite – und winken ab.

Unerkannt Hochbegabte sind oft verzweifelt ob überstrukturierter Abläufe im Job, ob der Langsamkeit von KollegInnen und MitarbeiterInnen, ob der Sinnlosigkeit ewiger Diskussionen, “wo doch total klar ist, wo die Lösung liegt”. Sie fühlen sich, trotz Spitzenpositionen unerfüllt, genervt oder gelangweilt – und zweifeln an sich selbst.

Manche von ihnen fassen beruflich nirgendwo recht Fuß, lassen sich vielleicht nicht oder nur widerstrebend auf den längerwierigen Aufbau einer Karriere ein oder ringen, freiberuflich mit ihren Leidenschaften tätig, jeden Tag ums liebe Auskommen.

Oft finden sie lange keinen passenden Partner, weil der andere sich, nach leidenschaftlichem Start, plötzlich zurückzieht (bei unerkannt hochbegabten Frauen), sie sich trotz bestehender Zuneigung zu langweilen beginnen (unerkannt hochbegabte Männer) oder weil sie einfach niemanden finden, der sie wirklich anzieht, fasziniert und “halten kann” (beide Geschlechter).

Und das bei Menschen, mit denen der Austausch eine Freude ist, weil sie vor Ideen sprühen, wenn man sie nur fragt, die so scharf beobachten, dass sie über eine klitzekleine Kurzbegegnung eine spannende Erzählung schreiben könnten und die so verzweifelt danach suchen, dass sie jemand versteht!


Hochbegabung hat extrem viele Gesichter. Wird sie frei und bewusst ausgelebt, ist sie ein unfassbar schönes, kostbares Geschenk. Doch muss diese große Kraft achtsam und bewusst in die Persönlichkeit integriert werden. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist dabei von großer Bedeutung.

Das Tempo, die Direktheit, mit der sie zum Punkt kommen, die Tiefe, mit der sie die Ehrlichkeit des anderen prüfen, den  s e h r  hohen Anspruch an sich und andere, die Sehnsucht nach dem Gesehen- und Erkanntwerden – in einer Intensität, die bei anderen Suchenden selten ist, all das taucht bei Hochbegabten immer wieder auf.

Dazu gibt es eine große Bandbreite an Eigenschaften: verkopft oder bauchgesteuert, intellektuell, pragmatisch, kreativ, feinfühlig, humanistisch gebildet oder mit Absicht ein bisschen derb, einer einzelnen Leidenschaft für ein abseitiges, hochkomplexes Wissensgebiet verfallen oder mit Interesse und Verständnis für so, so Vieles, egoistisch oder zurückhaltend, musikalisch, fußballbegeistert, mit Hornbrille oder ohne, unorganisiert und hochstrukturiert (sehr oft auch beides), wortgewaltig oder scheu und schamvoll, offen konfrontativ oder megaangepasst…

Es gibt Hochbegabte mit heftigen psychischen Problemen und solche, die körperlich und emotional so rundum gesund sind, dass es eine Wonne ist.

Vieles ist möglich, und alles ist menschlich, verständlich, liebenswert und eben… in Teilen oder durchgängig: sehr viel extremer als bei der Norm!

Und genau so ist es richtig!

Alle unerkannt Hochbegabten teilen die Erfahrung des Andersseins, nicht selten begleitet von Neid, Missgunst oder Mobbing. Sie wussten zwar, dass sie nicht wirklich so sind wie die anderen. Aber sie wussten nicht ganz genau warum.


Das Abweichen von der Norm hat zu heftigen Selbstzweifeln, auch Zweifeln an der eigenen Intelligenz geführt. Dass es sich um eine Abweichung nach oben handelt, eine besonders große Gabe, war meistens nicht klar.

Das, was sie ausmacht, mussten sie verbergen oder herunterspielen, sich “nach unten anpassen”, um nicht zu sehr auf- und damit herauszufallen, aus der Gemeinschaft. Sie wirken auf andere stark, und sind es ja auch, aber manche Seiten in ihnen sind mehr als zart. Und manche gar noch unentdeckt.

So konnte ihre Besonderheit nie von ihnen selbst erforscht, gefühlt und voll erkannt werden – mit weitreichenden Folgen für jeden Bereich der Persönlichkeit, für jeden Aspekt des Lebens!

Deshalb biete ich Ihnen in meiner Praxis einen besonderen Raum an:
Sie können hier offen sprechen, sich zeigen und all Ihre Fragen stellen. Sie können Ihr Anliegen mit meiner Hilfe ganz genau abklären und über den Weg entscheiden, den Sie gehen wollen. Sie bekommen Feedback und eine respektvolle, ehrliche Begegnung.

Wir können auf verschiedene Arten Ihre Begabungen erforschen, im psychologischen Gespräch, mit ganzheitlichen Verfahren, mittels Fragebögen oder über einen IQ-Test.

Sie haben verschiedenste Möglichkeiten, sich selbst ganz neu kennen zu lernen, mit all Ihren Facetten: im Einzelkontakt, in gut geführter, feingetunter Gruppenarbeit, über Online-Programme. Und Sie können, wenn Sie es möchten, Wege zur Heilung alter Verletzungen, Ängste und Hemmungen gehen, um mit all Ihrer Kraft frei zu sein.

Ganz herzlich willkommen!