Atmen… und dann sprechen.

Nach den Ereignissen der letzten beiden Wochen konnte ich nicht in den sozialen Medien “posten”, es ging nicht. Ich musste mich in meiner freien Zeit immer wieder besinnen … und erst einmal atmen. Atmen.

Ich äußere mich nicht gern zu Ereignissen im sogenannten Außen, weil meine Domäne die Arbeit an sich selbst ist. Doch manchmal sind persönliche, direkte Worte angebracht. Jetzt.

Wahrheit und Klarheit

Photo by John Noonan on Unsplash

Der brutale Mord an George Floyd, offensichtlich unter den Augen von Kameras – und demgemäß auch mit zuschauenden Menschen – berührt mich mehr, als ich sagen kann.

Die Enttarnung des ausgeklügelten, hochtechnisierten Netzes zur Ausübung und Vermarktung von sexueller Gewalt an drei Kindern durch Erwachsene aus der eigenen Familie in Deutschland zerreißt mir das Herz.

Die brutal-selbstgerechten Deutungen der Ereignisse ihrer eigenen Länder von Führern, die durch ihre eigenen Leute mit extremer Macht ausgestattet wurden, ist mir wie so vielen unter uns, nahezu unerträglich. (Sie sollten für ihr Volk SORGEN, ihm DIENEN, nicht umgekehrt.)

Irgendwie den Rest gab mir persönlich (ich brach beim Autofahren in Tränen aus), als ich eine Doku hörte, in der unterschiedliche Familien im Selbstporträt zur Sprache kamen, unkommentiert durch den Sender, unfassbar für mich:

Während manche Eltern wirklich schwierige oder ausgrenzende Situationen für sich und ihre Kinder voller Liebe und Respekt in die Hand nahmen, sagte eine zweifache Mutter mehrfach offen und ohne eine Spur von Gefühl für die Auswirkungen, sie würde sich nicht als Mutter betrachten und hätte ihr Leben extra so organisiert, dass sie die Kinder am Morgen und am Abend nur 2 Stunden sehe, das reiche ihr. Am schlimmsten seien die Ferien, und wenn sie die Kita im Display ihres Handys sehe, sei sie immer so genervt, weil sie keine Lust habe, wegen Krankheit eines Kindes ihr Meeting zu unterbrechen.

Während ich sehr gut verstehe, was Überforderung ist, geht es hier ja um etwas anderes. Es ist für mich ebenfalls Gewalt, nicht zu spüren, was es bedeutet, für die Seelen von Kindern verantwortlich zu sein und stattdessen die eigene innere Kälte auszuleben und als ein modernes Lebensmodell hinzustellen.

Gleichzeitig wurde in der Doku deutlich, dass die Frau eine Position in der Forschung bekleidet, sicherlich sind ihre “Meetings” nicht ganz verantwortungsfrei, und ich möchte wirklich ungern, dass gefühllose Menschen gesellschaftlich relevante Entscheidungen treffen dürfen, die Auswirkungen auf uns alle haben.

Aber mir ist auch klar, dass es mich viel mehr “erwischt”, wenn eine Frau sich so äußert, denn die Mehrzahl der Männer verhält sich seit Generationen, ebenfalls offen, ja “traditionell” in dieser Weise – und wir nehmen es hin, auch ich.

Also Gewalt auch hier.

Gewalt. Absolutes Fehlen von Mitgefühl. Mordlust. Struktureller und tief verankerter Rassismus, Antifeminismus, Ausgrenzung derer, die als “anders” gebrandmarkt werden. Das verletzt die Gesetze des Kosmos – wie so vieles, was wir tun.

Gewalt gegen die Seele anderer ist Gewalt gegen sich selbst. Und äußere Gewalt ist nur möglich, wenn wir auch gegen uns selbst kaltherzig und grausam sind.

Ich weiß, dass diese und ähnliche Arten von Gewalt ständig und überall geschehen, eben oft unbemerkt – aber deswegen nicht weniger schlimm.

Doch jetzt kommt alles hoch. Es wird sichtbar, innen und außen.

Grausamkeit liegt in dem, was geschieht und in dem, wie wir gefühllos zuschauen, in dem, wie wir hier, privilegiert über alle Maßen, dabei jedoch allzu oft zutiefst unerfüllt und unglücklich, zur Tagesordnung übergehen und halt weiter unser Leben leben.

Mir ist aufgefallen, dass ich in den letzten Wochen ebenfalls persönlich mehr Gewalt erlebt habe als sonst, hier zumeist emotionaler Art. Das geschieht, wie ich finde, sowieso recht häufig, teils bewusst und gezielt, aber oft auch unbewusst, sowohl medial als auch ganz direkt. Ich habe mich bisher nicht daran gewöhnt (und möchte das auch nicht), aber ich habe recht gute Arten, damit umzugehen.

Diese Form von Belastung sehe ich für mich als verkraftbar an, und sie gehört wohl dazu, wenn man Tabus berührt und in den Tiefen des Unbewussten auf Perlensuche geht – nicht nur bei sich, sondern dazu auch den Auftrag anderer erhält.

Die Angriffe und Entwertungen sind außerdem keineswegs lebensbedrohlich. Doch unangenehm und signalhaft sind sie schon: Was geht in uns vor, wenn wir uns auf der Couch zurücklehnen und versuchen, jemanden für seine eigenen, zutiefst lebensfreundlichen, noch dazu fundierten Ansichten mal eben abzukanzeln und als lächerlich darzustellen?

Unwillkürlich frage ich mich: Tue ich das auch manchmal? Nein, da bin ich mir sicher (aber vielleicht verletze ich, ohne es zu wolllen, an anderer Stelle), aber mit Angriffen anderer umgehen muss ich schon, und ich komme nicht raus… jedes Verhalten ist eine energetische Antwort. Da liegt dann MEINE Verantwortung: Ich bin beteiligt, ob ich will oder nicht.

Also mit dem Blick aufs Ganze:
Was tun? Jenseits von Klage, Vorwurf, Rache, Misanthropie?
Am meisten löst das Geschehen diese Frage in mir aus: Was ist die Welt, in der ich leben möchte? Und was kann ich jetzt dazu tun?

Photo by Mantradevi

Ich weiß, dass das Sichtbarwerden all dieser Schrecken notwendig ist, um ihnen endlich zu begegnen und sie entkräften zu können, doch was kann ICH tun? Daran arbeite ich jeden Tag ganz konkret – finde meine Antworten und setze sie um. Mein Glück ist, dass ich mich gut kenne und schon viele, viele Jahre in die Erforschung meiner Qualitäten, meiner Beziehungen, meines Ausdrucks investiert habe.

Doch am schwierigsten ist es, immmer wieder mein Herz zu öffnen, egal, was ich wie oft sehe und erlebe. Im naiv-säuselnden Glauben an “das Gute im Menschen” ist das einfacher als mit offenen Augen. Aber existenziell nötig ist es besonders im Angesicht der Schrecken.

Denn: Was kann ich bewirken, wenn mein Herz von Kummer und Wut verschlossen ist? Vieles, aber gerade NICHT das, was ich mir wünsche. Mit der Schwingung der Verschlossenheit würde ich was kreieren? … Genau!

Also investiere ich in meine Klarheit, meine Selbstfürsorge, meine Liebe und in meine Kraft.

Ich vermeide fruchtlose Kämpfe, halte mich zurück, solange ich spüre, dass ich in einem Selbstheilungsprozess bin, aber werde aktiv, wenn ich mich gefangen habe, und positioniere mich da, wo ich es a) gut kann und b) als sinnvoll erachte.

Und ich tue etwas, das mich immer wieder Überwindung kostet, aber ich weiß, dass es wichtig ist: Ich zeige mich. Auch wenn das wirklich unbequem ist, denn ich bin, wiewohl kontaktfreudig, ein ziemlich scheues Naturell. Ich brauche viel Rückzug und Freiheit, lasse mich ungern ohne ordentlichen Kontext zitieren und spreche generell nicht so gern über mich.

Aber ich möchte, dass die Welt ein lebenswerter Ort für alle wird. Für alle. Und ich tue dazu, was ich kann. Ich äußere mich… und einen sehr angenehmen Nebeneffekt genieße ich sofort: Mir wird bedeutend leichter ums Herz!

Ich hoffe, mein Beispiel, so unvollkommen und menschlich und anfechtbar es ist, inspiriert auch Dich, damit Du weißt und spürst: Du bist nicht allein. Wir sind viele, die das Leben lieben, und wir unterstützen das Leben, indem wir unsere Werte leben.

Alles Liebe und einen guten Abend voll Wärme, Licht und Wahrheit.

Mantradevi

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